Regional denken, massiv bauen | Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.

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Gib eine Beschriftung einEin ehemaliges Bahngelände, Teil des alten Mainzer Bahnhofs in unmittelbarer Rheinnähe, wurde zu einem der attraktivsten Wohngebiete in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.
Foto: ©Boris Storz

Innovative und zukunftsfähige Konzepte sind gefragt, wenn die von der Bundes­regierung als Ziel ausgegebenen 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis zum Jahr 2021 erstellt werden sollen. Hier hilft die massive Bauweise mit Kalksandsteinprodukten und -systemen.

Trotz guter Konjunktur wurden im vergangenen Jahr erneut deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt als erwartet. Mit rund 300.000 Neubauwohnungen wurde der eigentliche Bedarf von 350.000 bis 400.000 deutlich unterschritten. Die Ursachen sind u. a. fehlende Kapazitäten der Bauindustrie sowie der latente Fachkräftemangel. Fest steht: Die Bewältigung der Mammutaufgabe, in kürzester Zeit mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kann nur gelingen, wenn alle am Bauprozess Beteiligten an einem Strang ziehen. Da massives Mauerwerk mit rund 73 Prozent den höchsten Anteil am gesamten Wohnungsbau in Deutschland hat (Stand 2017, Quelle: Destatis), kommt der Mauerwerksindustrie hierbei eine Schlüsselrolle zu.

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Ein 2015 fertiggestellter Kalksandstein-Neubau schließt im Berliner Samariterviertel die Lücke zwischen einem Mietshaus aus der Jahrhundertwende sowie einem mehrgeschossigen Wohngebäude jüngeren Datums. Foto: ©Boris Storz

Die Qual der richtigen Baustoffwahl
Selbst angesichts der gebotenen Eile sind planende Architekten, Bauingenieure oder auch Bauunternehmer gut beraten, die Wahl ihrer Wandtragkonstruktion sorgfältig abzuwägen. Hierbei sollten nicht nur wirtschaftliche Faktoren wie Kosten, Werkstoffqualität und Standzeit oder die gestalterische und konstruktive Bandbreite betrachtet werden, sondern auch ökologische Aspekte und die mögliche Recyclingfähigkeit. Kalksandstein ist ein ganzheitlich umweltschonendes Produkt. Seine ausgesprochen gute Ökobilanz ist in einer europäischen Umweltproduktdeklaration fixiert und wird regelmäßig von externen Gutachtern überprüft. Die Nutzung natürlicher und heimischer Rohstoffe trägt Verantwortung für die Umwelt. Die Rezeptur hält sich dabei an die Tradition des Reinheitsgebotes – verwendet werden lediglich Kalk, Sand und Wasser. Alles natürliche Rohstoffe, die in Deutschland ausreichend und langfristig zur Verfügung stehen.

Beim Produktionsprozess von Kalksandstein wird für die schonende Härtung lediglich 200 Grad heißer Wasserdampf eingesetzt, welcher anschließend weiterverwendet wird. Dank eines dichten regionalen Netzes an Fertigungswerken entfallen lange Transport­wege für die Rohstoffan- und die Produktauslieferung. Zusammen führt das zu einem vergleichsweise geringen Energieverbrauch und einer insgesamt guten CO2-Bilanz. Auch die 100-prozentige Wiederverwendbarkeit von Produktionsbruch im Herstellungsprozess und eine sehr hohe Recyclingquote von Abbruchmaterial (z. B. als Tragschicht im Straßenbau, als Vegetationssubstrat für Bäume, Sträucher und Dachbegrünungen oder als umweltfreundliche, Methan abbauende Deckschicht für Mülldeponien) zeichnen Kalksandstein als durch und durch ökologisches Produkt aus.

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Auf einem vormals mit Kasernen bebauten und von städtischer Wohnstruktur umgebenen Areal in Jena-Nord entstand eine generationenübergreifende Wohnanlage mit sieben Mehrfamilienhäusern und zwei Innenhöfen. Foto: ©Boris Storz

Industriell gefertigter Kalksandstein wird seit 125 Jahren im gesamten Baubereich eingesetzt. Mit einem Marktanteil von über 50 Prozent ist er der führende Baustoff für den mehr-geschossigen Wohnungsbau in Deutschland. Als Anbieter einer breiten Produktpalette mit allen gängigen Mauersteinformaten, Sonderprodukten sowie auch wirtschaftlichen Bausystemen für zukunftsorientierte und multifunktionale Mauerwerkskonstruktionen ist sich die Kalksandsteinindustrie ihrer maßgebenden Rolle im Rohbausegment bewusst. Alle Arten von Gebäuden – von privaten Bauvorhaben über Wirtschafts- und Gewerbebauten bis zur Domäne des Kalksandsteins, dem Bau von mehrgeschossigen Wohnhäusern und Wohnquartieren – können mit Kalksandstein schnell, kostengünstig, energieeffizient und nachhaltig erstellt werden.

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Innerstädtische Quartiersentwicklung mit fünf Wohnkarrees und durchgängigen Details auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei in Nürnberg.
Fotos: ©Boris Storz

Die Gründe für diese Erfolgsgeschichte lassen sich aus den Eigenschaften der charakteristisch weißen Steine ableiten. Durch die Trennung der Bauteilschichten in das tragende Kalksandsteinmauerwerk und eine für den Wärmeschutz zuständige Dämmebene kann jedes gewünschte Wärmeschutzniveau (bis hin zum Passivhausstandard) bei gleichzeitig hoher Tragfähigkeit und sehr gutem Schallschutz überaus wirtschaftlich realisiert werden. Zudem ermöglichen schlanke Kalksandsteinwände im Vergleich zu anderen Bauweisen bei gleichbleibenden Gebäudeaußenmaßen Wohn- bzw. Nutzflächengewinne von bis zu sieben Prozent. Dies ist gerade auch in der heutigen Zeit ein schlagkräftiges Argument für Investoren.

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All diese Vorteile zahlen sich spätestens in der „planerischen Königsdisziplin“, dem mehrgeschossigen Wohnungsbau aus. Die anspruchsvolle Aufgabe, auf hochverdichtetem Raum viel­fältigsten Anforderungen gerecht zu werden, stellt höchste Ansprüche an die verwendeten Baustoffe. Ganz konkret geht es hier darum, alle Brand-, Schall- und Wärmeschutzanforderungen mit flexiblen Statikeigenschaften zu vereinen.

Strukturell bedingte Tragfähigkeit
Bei einer effizienten Planung gilt es, mit möglichst wenig Materialeinsatz und schlanken Bauteilen eine nachweisbar stabile Konstruktion zu erstellen. Massives Mauerwerk aus Kalksandstein besitzt strukturell bedingt eine hohe Drucktragfähigkeit, so dass sich damit problemlos Wohngebäudekonstruktionen mit bis zu zehn Geschossen errichten lassen. Kalksandstein fängt in Sachen Festigkeit quasi dort an, wo andere Baustoffe aufgeben müssen. Ihre hohe Festigkeit verdanken die weißen Steine dem vier bis acht Stunden dauernden Härtungsprozess unter Wasserdampfdruck bei ca. 200 °C. Die dabei von der Oberfläche der Quarzsandkörner gelöste Kieselsäure verbindet sich mit Kalkhydrat zu fest ineinander verzahnten Kristallstrukturen. Der hier entstehende dreidimensionale Verbund von Quarzsand und Kalkhydrat zeigt ein absolut zuverlässiges Tragverhalten, was den gestalterischen Freiraum bei der Planung und Ausführung speziell von Mehrgeschossbauten erheblich vergrößert.

Der demografische Wandel und das Aufkommen neuer Lebens- und Arbeitsformen spiegeln sich zunehmend auch in den gestiegenen Anforderungen an die Architektur wider. Die hohen statischen Reserven von Kalksandstein spielen zukünftigen, flexibel umnutzbaren und damit nachhaltigen Wohnkonzepten in die Karten. Auch die Themen Nachverdichtung und Bestandsersatz in den Metropolen werden damit konkret fassbar.

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Kalksandsteine werden in zahlreichen unterschiedlichen Ausführungen hergestellt.
Foto: ©KS-ORIGINAL GmbH

Kalksandsteine sind für die Zukunft des Bauens bestens gerüstet. Sie unterliegen strenger Produktions­überwachung, ihre Eigenschaften sind umfassend dokumentiert sowie in Normen und Richtlinien geregelt und beschrieben. Sie gehören damit zu den wenigen harmonisierten Bauprodukten, für die allein die Angaben in der Leistungserklärung ausreichen, um alle Anforderungen gemäß den Landesbauordnungen zu erfüllen. Die Vorteile für alle am Bauprozess Beteiligten sind Planungs-, Ausführungs- sowie Rechtssicherheit und das nahezu ausgeschlossene Auftreten materialbedingter Baufehler.

Ganzjähriger Wärmeschutz
Der heiße, trockene Sommer 2018 dürfte wohl nur ein kleiner Vorgeschmack auf kommende Hitzeperioden gewesen sein: Klimaforscher gehen aktuell davon aus, dass extreme Sommertemperaturen in unseren Breiten zur Regel werden. Auch hier erweist sich die konsequente Trennung der Funktionen des Wandaufbaus als zukunftsweisend.

Das massive Kalksandsteinmauerwerk ist in der Lage, der Raumluft überschüssige Wärme zu entziehen und sie zwischenzuspeichern, was zu einer spürbaren Senkung der Raumtemperatur führt. Die über die Fenster einfallende Sonnenwärme wird von den Wänden aufgenommen und zeitversetzt in den kühlen Nachtstunden wieder abgegeben. Beim Lüften entweicht sie rasch nach draußen, wodurch in Verbindung mit Sonnenschutzvorrichtungen auch ohne Klimaanlage ein hervorragender Hitzeschutz realisiert werden kann.

Schallschutz im verdichteten Raum
Für das stressfreie Zusammenleben vieler Menschen auf engem Raum ist wirksamer Schallschutz unabdingbar. Lärm kann u. a. zu Schlafmangel, Unruhe, verminderter Konzentration und körperlichem Stress führen. Gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau führt Hellhörigkeit in der Regel zu großer Unzufriedenheit bei den Mietern und folglich auch bei den Eigentümern einer Immobilie. Bei der Schaffung neuen Wohnraums oder für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen gibt die Schallschutznorm DIN 4109 zwar Anforderungswerte zur Schalldämmung vor – beschrieben sind darin jedoch nur die Mindestanforderungen. Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte bereits 2009, dass „die Schalldämm-Maße der DIN 4109 von vornherein nicht geeignet sind, als anerkannte Regeln der Technik zu gelten“¹. Zur Vermeidung späterer rechtlicher Auseinandersetzungen wird Bauherren, Fachplanern und Architekten dringend empfohlen, einen gegenüber der DIN 4109 deutlich verbesserten Schallschutz vertraglich zu vereinbaren.

¹) BGH-Urteil vom 04.06.2009 – VII ZR 54/07 (OLG Hamm, LG Essen)

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Die hohe Masse von Kalksandsteinwänden ist die Grundlage für eine hohe Schalldämmung zur Nachbarwohnung. Foto: ©iStock/South_agency

Bei der Luftschallübertragung zwischen zwei Räumen werden das trennende und die flankierenden Bauteile durch den Luftschall auf der Sendeseite zu Schwingungen angeregt. Diese Schwingungen führen auf der Empfangsseite wiederum zur Abstrahlung von Luftschall, der sich penetrant bemerkbar machen kann. Laute, basslastige Musik beim Nachbarn kann beispielsweise über Körperschall in die eigene Wohnung übertragen und hier als störend empfunden werden.

Für die Schallausbreitung maßgeblich sind die Bauteileigenschaften und die verwendeten Materialien. Es gilt: Je schwerer das Bauteil, desto weniger leicht lässt es sich zum Mitschwingen anregen. Dies trifft sowohl für Trennwände und -decken zwischen benachbarten Wohnungen als auch für die flankierenden Bauteile zu. Grundsätzlich bieten homogen aufgebaute, schwere und massive Konstruktionen mit hoher flächenbezogener Masse, wie sie sich mit Kalksandstein realisieren lassen, beste Voraussetzungen für eine gute Schalldämmung. So kann ein erhöhter Schallschutz ohne aufwändige Entkopplungsmaßnahmen der flankierenden Bauteile wirtschaftlich und sicher erreicht werden.

Immanenter Brandschutz
Die inzwischen überwiegende Verwendung massiver Baustoffe wie Kalksandstein hat im Laufe der Jahre erheblich dazu beigetragen, dass die Brandschutzsicherheit unserer Häuser (und damit auch die Sicherheit der Bewohner) erheblich gestiegen ist. Ausschlaggebend für guten Brandschutz ist der Feuerwiderstand tragender Teile wie Decken und Wände. Kalksandstein ist nicht brennbar und daher am Brandgeschehen völlig unbeteiligt. Er bildet in den Flammen keinerlei giftige Gase und verhindert dank fehlender Hohlräume, dass sich ein Brand ausbreiten kann. Kalksandstein wurde von der Europäischen Kommission in die sicherste Brandverhaltensklasse (A1) eingestuft und gilt auch im bauaufsichtlichen Sinne als feuerbeständig.

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Kalksandsteine sind nicht brennbar. Eine Brandwand aus Kalksandstein-Mauerwerk hat die Brandausweitung auf weitere Gebäudeteile verhindert.
Foto: ©Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.

Geregelt wird der Feuerwiderstand für alle DIN-konformen Bauteile in der DIN EN 13501-2. Bei Kalksandsteinmauerwerk lässt sich eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten bereits ab einer Wandstärke von 11,5 cm nachweisen – ein lebenswichtiges Argument, das entscheidend mehr wertvolle Zeit für Bergung, Rettung und Brandbekämpfung bereitstellt. Selbst dünne tragende und raumabschließende Kalksand­steinwände weisen bei voller Ausnutzung der Tragfähigkeit eine Feuerwiderstandsdauer von mehr als 90 Minuten auf.

Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachtet
Der allgegenwärtige Mangel an bezahlbarem Wohnraum trifft viele Menschen mit besonderer Härte. Inzwischen mehren sich Anzeichen, dass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung angesichts der nicht erreichten Ziele von jährlich 350.000 bis 400.000 Neubauwohnungen den Nährboden für politischen Aktionismus bildet.

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Kalksandsteinprodukte werden schon immer ausschließlich aus den natürlichen Rohstoffen Kalk, Sand und Wasser gefertigt.
Foto: ©Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.

Auch wenn plakativ inszenierte Initiativen einzelner Bundesländer eine schnelle Beseitigung der großen Wohnungslücke in Aussicht stellen, darf der bauliche Rückstand insbesondere bei den zur Neutralität verpflichteten öffentlichen Entscheidern nicht zu einer unreflektierten, einseitigen Bevorzugung bestimmter Bauweisen führen. Vor allem das oftmals von Verfechtern der Holzbauweise gegen die massive Bauweise vorgebrachte Argument vermeintlich höherer Nachhaltigkeit relativiert sich bei Betrachtung des gesamten Baustofflebenszyklus komplett. Da der Wohnungsmangel in Deutschland das Ergebnis einer über viele Jahre gewachsenen Entwicklung ist, an der u. a. Kapazitätsengpässe, Fachkräftemangel und fehlende staatliche Förderung bzw. Unterstützung beteiligt sind, kann er auch nur bauweisenübergreifend und mit vereinten Kräften angegangen werden.

Seit 125 Jahren unter Dampf
Das Jahr 2019 markiert einen Meilenstein in der Geschichte der deutschen Kalksandsteinindustrie. 1894 begann die industrielle Fertigung mit der Einführung der ersten automatischen Steinpresse. Kaum ein anderer Wandbaustoff hat sich in diesem Zeitraum derart konsequent weiterentwickelt. Heute steht Kalksandstein für eine flexible Systembauweise, die vor allem durch Wirtschaftlichkeit, Wertbeständigkeit, Langlebigkeit, einfache und schnelle Verarbeitung, aber auch durch schlanke und gleichzeitg massive Wandkonstruktionen zu überzeugen vermag.

Bereits die Römer wussten die positiven Eigenschaften des Baustoffes Kalk zu schätzen. Aber erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gingen experimentier­freudige Tüftler der Frage nach, ob sich aus Kalkmörtel nicht ein innovativer Wandbau­stoff entwickeln ließe. Die ersten Versuche – eine Mischung aus Sand, Kalk und Wasser an der Luft zu einer homogenen Steinmasse getrocknet – waren leider unbefriedigend.

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Kalksandstein ist seit 125 Jahren die erste Wahl, wenn es um einen zukunftsfähigen Baustoff geht.

Der Durchbruch gelang schließlich im Jahr 1880, als der Baustoffchemiker Dr. Wilhelm Michaelis für die Steintrocknung ein Verfahren anwendete, bei dem ein chemisch behandeltes Gemisch aus Wasserglas und Sand unter niedrigem Dampfdruck innerhalb kurzer Zeit gehärtet wurde. Michaelis modifizierte diese Technik, indem er einen wasserarmen, steifen Mörtel aus Sand und Kalk gespanntem Heißdampf aussetzte. Das Experiment verlief erfolgreich und bildet bis heute die Basis aller weiteren Produkt­entwicklungen der Kalksandsteinindustrie.

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Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.kalksandstein.de

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